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Regulierung · Compliance

35 Millionen Euro Strafe: die 6 seit 2025 verbotenen KI-Praktiken.

Seit dem 2. Februar 2025 sind sechs KI-Praktiken in Europa offiziell verboten. Die Höchststrafe: 35 Millionen Euro oder 7% des weltweiten Umsatzes. Hier erfahren Sie, was Ihr Unternehmen wissen muss, um Risiken zu vermeiden.

Jérémy Pierre
Jérémy Pierre
Experte für AI-Act-Compliance
8. Juni 2026 8 Minuten Lesezeit
35 Millionen Euro Strafe: 6 seit 2025 verbotene KI-Praktiken
Zusammenfassung · 4 wichtige Zahlen
35 Mio. €
Höchststrafe für eine verbotene Praxis
6
durch Artikel 5 des AI Act verbotene Praktiken
2025
Datum des Inkrafttretens der Verbote
7%
des weltweiten Umsatzes als Alternative zur festen Strafe
01 - Regulierung

Warum diese Verbote?

Der AI Act regelt streng die als gefährlich für Grundrechte eingestuften KI-Anwendungen.

Die europäische Verordnung stuft bestimmte Praktiken als inakzeptable Risiken ein. Diese Verbote gelten für alle Akteure, ob Anbieter oder Betreiber von KI-Systemen. Die in Artikel 99 Absatz 2 vorgesehenen Sanktionen sollen missbräuchliche Anwendungen abschrecken.

Die sechs verbotenen Praktiken umfassen verschiedene Bereiche: Verhaltensmanipulation, biometrische Überwachung, Sozialkreditsysteme oder auch Emotionsanalyse. Jede Praxis adressiert spezifische Herausforderungen zum Schutz von Individuen und Gesellschaft.

02 - Verbotene Praxis

1. Subliminale oder irreführende Manipulation

Artikel 5 Absatz 1 Buchstabe a verbietet Techniken, die eine Person unbemerkt beeinflussen, um ihr Verhalten zu verändern.

Rechtliche Definition

Jedes KI-System, das darauf ausgelegt ist, Entscheidungen einer Person zu beeinflussen, ohne dass diese sich dessen bewusst ist, durch subliminale Reize oder falsche Informationen, ist verboten. Ziel ist es, körperlichen oder psychischen Schaden zu vermeiden.

Konkrete Beispiele

Eine Fitness-App, die subliminale Audiobotschaften nutzt, um den Nutzer zum Kauf von Nahrungsergänzungsmitteln zu bewegen, ohne dass dieser sich dessen bewusst ist. Diese Botschaften, eingebettet in Umgebungsgeräusche, fördern den Konsum unter dem Deckmantel der Motivation.

Betroffenes Tool

Plattformen für zielgerichtete Werbung, die Algorithmen für Dark Patterns einsetzen, um die Nutzerbindung zu maximieren, wie bestimmte Funktionen sozialer Netzwerke oder mobiler Spiele.

„Subliminale Techniken nutzen kognitive Verzerrungen der Nutzer aus, oft ohne deren informierte Einwilligung."
03 - Verbotene Praxis

2. Ausnutzung von Schwächen

Artikel 5 Absatz 1 Buchstabe b zielt auf Systeme ab, die Schwächen schutzbedürftiger Personen ausnutzen.

Rechtliche Definition

KI-Systeme, die spezifische Gruppen (Kinder, Menschen mit Behinderungen, Personen in wirtschaftlicher Notlage) gezielt ansprechen, um deren Verhalten zu verzerren und ihnen Schaden zuzufügen, sind verboten.

Konkrete Beispiele

Ein mobiles Spiel, das Kinder dazu verleitet, In-App-Käufe zu tätigen, indem es deren mangelnde kognitive Reife ausnutzt. Das Spiel verwendet sofortige Belohnungen und Mechanismen sozialen Drucks, um Ausgaben zu fördern.

Betroffenes Tool

Schnellkredit-Apps, die sich an einkommensschwache Bevölkerungsgruppen richten, mit hohen Zinssätzen und Algorithmen, die darauf ausgelegt sind, die Verschuldung zu maximieren.

04 - Verbotene Praxis

3. Sozialkreditsysteme

Artikel 5 Absatz 1 Buchstabe c verbietet Systeme zur sozialen Bewertung durch öffentliche Stellen.

Rechtliche Definition

KI-Systeme, die von öffentlichen Stellen genutzt werden, um Bürger anhand ihres sozialen, wirtschaftlichen oder persönlichen Verhaltens zu bewerten oder einzustufen, sind verboten. Dieses Verbot erstreckt sich auch auf private Akteure, deren Auswirkungen ähnlich wären.

Konkrete Beispiele

Ein System zur Bewertung von Bürgern basierend auf ihrer Teilnahme an Gemeinschaftsaktivitäten, ihrer Kredithistorie oder ihrem Online-Verhalten, das genutzt wird, um soziale Vorteile zu gewähren oder zu verweigern.

Betroffenes Tool

Plattformen zur Bewertung von Mietern oder Mitarbeitern, wie bestimmte in China eingesetzte Systeme, die den Zugang zu Wohnraum oder Arbeitsplätzen anhand intransparenter Kriterien beeinflussen.

05 - Verbotene Praxis

4. Biometrie aus der Ferne in Echtzeit

Artikel 5 Absatz 1 Buchstabe d regelt streng den Einsatz von Gesichtserkennung in öffentlichen Räumen.

Rechtliche Definition

Die biometrische Fernidentifikation in Echtzeit in öffentlich zugänglichen Räumen ist verboten, mit Ausnahme strenger Ausnahmen: Terrorismusbekämpfung, Suche nach vermissten Personen oder Abwehr einer spezifischen und erheblichen Bedrohung.

Konkrete Beispiele

Ein Gesichtserkennungssystem, das in einem Einkaufszentrum eingesetzt wird, um Kunden in Echtzeit zu identifizieren und ihnen gezielte Werbung zuzusenden. Diese Art der Nutzung ist ohne ausdrückliche Einwilligung verboten.

Betroffenes Tool

Clearview AI, dessen Datenbank von ohne Einwilligung gesammelten Gesichtern bereits in Europa sanktioniert wurde.

06 - Verbotene Praxis

5. Emotionserkennung

Artikel 5 Absatz 1 Buchstabe f verbietet die Analyse von Emotionen in sensiblen Kontexten.

Rechtliche Definition

KI-Systeme, die darauf ausgelegt sind, Emotionen von Personen in beruflichen oder bildungsbezogenen Kontexten zu erkennen, sind verboten, es sei denn, sie dienen streng geregelten medizinischen oder Sicherheitszwecken.

Konkrete Beispiele

Eine Software zur Gesichtsanalyse, die in Vorstellungsgesprächen eingesetzt wird, um die Ehrlichkeit oder Motivation von Bewerbern anhand ihrer Gesichtsausdrücke zu bewerten. Diese Art von Tool, basierend auf unbewiesenen Korrelationen, ist verboten.

Betroffenes Tool

Lösungen wie HireVue oder Affectiva, die Emotionen von Bewerbern oder Mitarbeitern analysieren, um Personalentscheidungen zu beeinflussen.

07 - Verbotene Praxis

6. Biometrische Kategorisierung

Artikel 5 Absatz 1 Buchstabe g verbietet Systeme, die Personen auf Basis sensibler biometrischer Daten klassifizieren.

Rechtliche Definition

KI-Systeme, die Personen anhand biometrischer Daten (ethnische Herkunft, sexuelle Orientierung, religiöse Überzeugungen) in Kategorien einteilen, sind verboten, mit sehr begrenzten Ausnahmen.

Konkrete Beispiele

Ein Rekrutierungsalgorithmus, der Bewerber anhand ihrer ethnischen Herkunft oder ihres Geschlechts einstuft, indem er ihre Gesichtszüge oder Stimme analysiert. Diese Art der Kategorisierung, selbst indirekt, ist verboten.

Betroffenes Tool

Software zur Gait Analysis (Ganganalyse), die zur Identifizierung persönlicher Merkmale ohne solide wissenschaftliche Grundlage eingesetzt wird.

Nutzt Ihr Unternehmen eine verbotene KI?

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08 - Compliance

Wie Sie prüfen, ob Ihr Unternehmen keine verbotene Praxis anwendet

Compliance erfordert eine gründliche Prüfung Ihrer Tools und Prozesse.

1. KI-Tools inventarisieren

Erstellen Sie eine Liste aller in Ihrem Unternehmen genutzten KI-Systeme, einschließlich solcher, die in Drittsoftware integriert sind. Überprüfen Sie deren Konformität mit Artikel 5 des AI Act.

2. Anwendungsfälle analysieren

Identifizieren Sie für jedes Tool den Nutzungskontext. Beispielsweise kann eine Gesichtsanalysesoftware im medizinischen Bereich erlaubt, in Vorstellungsgesprächen jedoch verboten sein.

3. Ausnahmen dokumentieren

Falls ein Tool in einer Grauzone liegt (wie Biometrie aus der Ferne aus Sicherheitsgründen), dokumentieren Sie die rechtlichen Begründungen und holen Sie die erforderlichen Genehmigungen ein.

4. Teams schulen

Sensibilisieren Sie Ihre Mitarbeiter für die Verbote des AI Act, insbesondere die Teams aus HR, Marketing und Sicherheit. Eine angepasste Schulung reduziert das Risiko von Non-Compliance.

5. Regelmäßig auditieren

Compliance ist kein statischer Zustand. Führen Sie regelmäßige Audits durch, um sicherzustellen, dass Ihre Tools den regulatorischen Entwicklungen entsprechen.

09 - FAQ

Häufige Fragen

Alles, was Sie über die durch den AI Act verbotenen Praktiken wissen müssen.

Die Sanktionen können bis zu 35 Millionen Euro oder 7% des weltweiten Umsatzes des Unternehmens betragen, je nachdem, welcher Betrag höher ist. Diese Geldstrafen sind in Artikel 99 Absatz 2 des AI Act vorgesehen.

Ja, wenn das Unternehmen Dienstleistungen oder Produkte auf dem europäischen Markt anbietet, muss es den AI Act einhalten, einschließlich der Verbote in Artikel 5.

Nein, das Verbot gilt nur für berufliche und bildungsbezogene Kontexte. Medizinische oder sicherheitsrelevante Anwendungen, die streng geregelt sind, können erlaubt sein.

Ein Compliance-Audit ist erforderlich. Es muss eine Analyse der Funktionen des Tools, seines Nutzungskontexts und seiner technischen Dokumentation umfassen. Die AiActo-Diagnose ermöglicht es, Risiken in wenigen Minuten zu identifizieren.

Die Ausnahmen betreffen die Terrorismusbekämpfung, die Suche nach vermissten Personen oder die Abwehr einer spezifischen und erheblichen Bedrohung. Diese Anwendungen müssen von einer zuständigen Justiz- oder Verwaltungsbehörde genehmigt werden.

Jérémy Pierre
Jérémy Pierre
Gründer aiacto.eu · Experte für AI-Act-Compliance

Unterstützt Anbieter und Betreiber von KI bei der Einhaltung regulatorischer Vorgaben.

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